Tiere & Pflanzen

Wenn die Hummeln noch schlafen

Wer Hummeln fotografieren will, muss nicht nur geduldig sein, sonder vor allem eins: sehr schnell. Oder man steht an einem kalten Morgen früh genug auf…

Früh am Morgen

Kleiner Perlmuttfalter und Hummel auf einem Lavendelbusch
Während sich der Kleine Perlmuttfalter genüsslich sonnt, versucht sich die Hummel im Hintergrund zu verstecken.

Ich habe schon öfters versucht, Insekten zu fotografieren. Die kleine Kreaturen faszinieren mich einfach immer wieder. Dabei ist das gar nicht mal so einfach, weil sie eben nicht nur klein sind, sondern vor allem auch unheimlich flink – siehe auch meine Geschichten Von Bienen und Blumen oder zu den Flatterhaften Gesellen. Das ist bei Hummeln letztlich nicht anders – und wer schonmal versucht hat, welche zu fotografieren und sich dabei gewünscht hat, die würden auch nur mal eine Sekunde still sitzen bleiben, weiß, wo das Sprichwort “Hummeln im Hintern haben” herkommt.

Hier kann einem mit etwas Glück die Natur zur Hilfe kommen. Bei der passenden Wetterlage können klare Nächte auch mitten im Sommer recht frisch werden. Dazu kommt, dass sich in unserem kleinen Tal auf rund 400 Metern höhe die kalte Luft sammelt wie Wasser in einer Badewanne. Und so waren es Ende Juli morgens auf einmal nur noch 5°.

Bei diesen Temperaturen fallen Hummeln in eine Kältestarre und sitzen so völlig still auf Blüten oder Blättern – und man hat alle Zeit der Welt, sie in Ruhe aus allen Positionen zu fotografieren. Nunja, fast alle Zeit – denn sobald die kräftige Sommersonne die Temperaturen um wenige Grad steigen lässt, werden die kleinen Brummer schnell wieder aktiv.

Die Hummel als Puzzle

Hummel auf Löwenzahn
Das Problem mit der Schärfentiefe: Bei dieser Einzelaufnahme sind die pollenbesetzten Beine im Fokus, während der Rücken der Hummel schon unscharf ist.

Die zweite große Herausforderung in der Makro-Fotografie, abgesehen von einem Motiv das stillhält, ist die Schärfentiefe. Wenn man sich mit einem 100 mm Makro-Objektiv dem Zielobjekt bis fast auf die kleinstmögliche Distanz nähert, dann ist der scharfe Bildbereich nur noch etwas einen Millimeter tief. Eine Hummel ist aber deutlich größer – die Gesetze der Optik machen es unmöglich, das gesamte Tier durchgehend scharf in nur einer einzigen Aufnahme abzubilden.

Hier muss dann in die Trickkiste gegriffen werden – das Stichwort lautet “focus stacking“. Dabei werden mehrere Bilder aufgenommen, wobei zwischen jeder Aufnahme der fokussierte Punkt leicht verschoben wird. So entsteht eine Reihe von Aufnahmen, in denen jeweils eine andere “Scheibe” der Hummel scharf abgebildet ist. Moderne Kameras wie z.B. meine Canon R6 unterstützen das zum Glück direkt mit einer entsprechenden Automatik.

Der Rest passiert dann am PC: Nach der Bearbeitung der Einzelbilder erfolgt das Zusammensetzen in Photoshop. Dabei werden die scharfen Bereiche aus jeder Einzelaufnahme zu einem durchgehend scharfen Gesamtbild zusammengesetzt.

Dies gelingt jedoch nicht immer. Oft entstehen Artefakte, zum Beispiel wenn ein näher am Betrachter liegendes Objekt bei den weiter hinten liegenden Aufnahmen so unscharf und groß wird, dass es andere Bildbereiche überdeckt. Auch kleinste Bewegungen, wie z.B. ein hochgeklappter Fühler, können das Endergebnis unbrauchbar machen. Ein bisschen Glück ist also immer noch gefragt…

Die Ergebnisse

Die folgenden Bilder sind an drei aufeinanderfolgenden Morgen entstanden. Alle gezeigten Fotos sind aus jeweils 10-25 Einzelaufnahmen in Photoshop zusammengesetzt und nachbearbeitet. Der einzige Grund, dass es das erste Bild nicht in den Kalender geschafft ist der Tatsache geschuldet, dass es im Hochformat ist.

Nahaufnahme einer Hummel
Definitiv ein “Zielfoto”: Detailreiches Portrait einer Hummel. Ich bin mir fast sicher, dass sie wusste, dass sie fotografiert wird (ISO 1.000 – 100 mm – ƒ/4 – 1/125 s).

 

Nahaufnahme einer Hummel
Das Kalenderbild für den Mai 2025: Schlafende Hummel auf Lavendelblüte (ISO 800 – 100 mm – ƒ/4 – 1/100 s)

 

Nahaufnahme einer Hummel
Diese Hummel war erkennbar wenig begeistert über den morgendlichen Regenguss (ISO 1.250 – 100 mm – ƒ/5,6 – 1/100 s).

 

Nahaufnahme einer Hummel
Während bei diesem Portrait die Details im Gesicht wunderbar zur Geltung kommen, zeigen sich unten rechts im Bereich der Beine unschöne Artefakte vom Stapeln der Einzelaufnahmen (ISO 1.000 – 100 mm – ƒ/4 – 1/200 s)

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