Tiere & Pflanzen

Ein Vogel im Flug

Vögel im Flug zu fotografieren ist nicht einfach – schon gar nicht die kleinen flinken Singvögel. Doch mit Geduld und etwas technischer Hilfe kann es gelingen.

South Carolina… mal wieder

Garten bei Sonnenaufgang
Morgendlicher Blick in den Garten mit den Vogelfutterstellen.

Endlich hat es mal wieder geklappt mit einem Meeting in der Nähe von Charleston. Nachdem sich meine Projekte die letzten drei Jahre im Westen der USA getroffen hatten, in Phoenix und Seattle, waren wir nun endlich wieder zurück in meiner “zweiten Heimat”. Nur fünf (Dank Sommerzeit) statt vorher neun Stunden Zeitunterschied war nur einer von vielen Vorteilen dieser Entscheidung. Noch viel wichtiger war, dass mir dies die Gelegenheit bot, den Aufenthalt dort für ein Wochenende bei meinem besten Freund Phil zu verlängern.

Ein paar Tage in Summerville sind für mich immer wie ein Mini-Urlaub. Ich liebe es, vor allem morgens auf der Terrasse hinterm Haus zu sitzen während die Sonne langsam über die Bäume steigt, und dabei dem bunten Treiben von Vögeln, Eichhörnchen und Eidechsen zuzuschauen. Aus genau diesem Grund hatte ich auch meine R7 mit dem 100-400 mm Teleobjektiv eingepackt: Ich wollte Vögel fotografieren, denn das geht bei Phil sehr viel besser als bei mir zu Hause. Während ich hier mittags direktes Gegenlicht und mit dem Bauernhof gegenüber keinen schönen Hintergrund habe, strahlt die Sonne dort von der “richtigen” Seite und man blickt auf einen dichten Wald.

Vögel in South Carolina
Von links oben nach rechts unten: Grauhäubchenmeise, Carolinazaunkönig, Kardinal, Rubinkehl-Kolibri

Tatsächlich hatte ich Glück mit dem Wetter. Auch wenn es morgens mit gerade einmal 6°C recht frisch war, so war es doch überwiegend sonnig und nachmittags angenehm warm. In den zweieinhalb Tagen, die ich dort war, ergaben sich so viele Gelegenheiten, mich mit Kamera, Buch und etwas zu trinken in einem der Gartensessel niederzulassen. An Vögeln gibt es dort eine buchstäblich bunte Auswahl: von eher unscheinbaren Vögeln wie den Grauhäubchenmeisen (tufted titmouse), zu Exemplaren wie dem Carolinazaunkönig (Carolina wren), der zwar vielleicht unscheinbar aussieht aber dafür unüberhörbar ist und daher auch den Spitznamen “Weckervogel” trägt.

Zu den bunten Gesellen gehören dann die Kardinäle (Cardinal) mit den leuchtend roten Männchen sowie die Rotkehl-Hüttensänger (eastern bluebird) mit ihrem blauen Kopf und Flügeln. Letztere haben sich auch den Beinamen “Arschloch-Vogel” verdient da sie gerne kleine Vögel mobben, vor allem Meisen (Carolina chickadee). Einzig für die Kolibris (ruby-throated hummingbird) war es noch zu früh; die sieht man erst später im Jahr wenn es durchgehend warm genug ist.

Eichhörnchen
Auch diese eher pelzigen Vögel kann man an den Futterstellen beobachten.

Auch sonst ist dort im Garten eine Menge los. Neben den vielen Vögeln treiben dort allerhand Eichhörnchen ihr Unwesen. Die sind zwar relativ scheu wenn man ihnen näher kommt, doch sobald sie sich unbeobachtet fühlen plündern sie auch gerne mal das Vogelfutter. So etwas wie “Eichhörnchen-sichere” Futterspender gibt es nicht – da hilft es nur, ein Futter zu finden, das gefiederte Tiere mögen, pelzige aber nicht: Distelsamen (Safflower). Vorher waren Eichhörnchen-Hintern das häufigste Motiv, das die Kamera in Phils Vogelhaus eingefangen hat.

Schließlich gibt es noch Eidechsen, in etwa handgroß, und in verschiedenen Farben – grau, grün, braun. Sie huschen immer wieder über die Terrasse, sonnen sich einen Moment lang, und eilen dann weiter. Nähert man sich, verstecken sie sich schnell unter etwas – daher ist es vor dem Hinsetzen einen Schaukelstuhl immer angesagt, vorher einen Blick unter die Kufen zu werden.

Kurzum: es gibt eine Menge zu beobachten und so wird es einem auch ohne Buch selten langweilig auf der Terrasse dort. Nur sollte man auch im März die Kraft der Sonne dort nicht unterschätzen. Abgelenkt durch das bunte Treiben habe ich mir direkt den ersten Sonnenbrand des Jahres geholt. Dennoch ist das Frühjahr die schönste Jahreszeit dort, wenn die Natur schon voll aus der Winterruhe erwacht ist aber die Tage noch nicht zu heiß sind.

Ein Vogel im Flug

Rotkehl-Hüttensäger
Ein Rotkehl-Hüttensäger, der Hauptakteur in der Bildsequenz.

Bei so vielen Vogelarten an den verschiedenen Futterstellen ist die Wahrscheinlichkeit, einen Vogel im richten Moment zu erwischen, natürlich relativ hoch. Trotzdem kommt es natürlich auf das Timing an. Hier hilft die Technik weiter: meine Canon R7 hat einen sogenannten “RAW Burst Modus”, der Fotos in sehr schneller Reihenfolge (30 Bilder pro Sekunde) aufnimmt. Und als Zusatzoption bietet dieser Modus die “Voraufnahme” an: Solange man den Auslöser halb gedrückt hält, nimmt die Kamera in einer Endlosschleife permanent Bilder in einem Pufferspeicher auf, die nach einer halben Sekunde wieder überschrieben werden. Drückt man den Auslöser dann ganz, werden die letzten 15 Fotos aus dem Zwischenspeicher, sowie weitere 30 Bilder pro Sekunde solange man den Knopf gedrückt hält, auf die Speicherkarte geschrieben.

Normalerweise, wenn man einen Vogel durch den Sucher der Kamera beobachtet und den Auslöser drückt sobald er losfliegt, ist man schon zu spät und man sieht den Vogel im besten Fall gerade noch am Bildrand. Mit der Voraufnahme kann nun in seinen Aufnahmen eine halbe Sekunde in der Zeit zurück reisen und erwischt so ziemlich sicher den Moment des Abflugs.

Was dann natürlich immer noch bleibt ist, zu hoffen, dass der Vogel in die richtige Richtung wegfliegt damit sich auch eine schöne Perspektive ergibt. Ein schöner Rücken kann zwar auch entzücken, aber bei Tierfotos sieht man doch gerne auch das Gesicht. Wenn Vögel von einem erhöhten Sitzpunkt aus nach unten starten, klappen sie ihre Flügel gerne erst deutlich nach dem Start aus – auf den Fotos sieht das dann aus, als würde der Vogel einfach in der Luft sitzen.

Ich hatte schließlich den perfekten Moment mit einem Rotkehl-Hüttensänger, der von seinem Sitzplatz auf einem Blumenhalter aus tatsächlich in die erhoffte Richtung los geflogen ist. Von den bei dieser Serienaufnahme entstandenen 47 Bildern habe ich am Ende 18 behalten – die 15 von vor dem Drücken des Auslösers und drei von danach. Das zeigt eindrucksvoll den Vorteil dieser Funktion.

Reihe von Bildern eines Vogels im Flug
Sechs von insgesamt 18 Einzelbildern vom Start des Hüttensängers. Die erste Aufnahme bildet die Basis für das zusammengesetzte Foto; aus allen anderen wurde jeweils nur der Vogel ausgeschnitten und eingefügt (Alle Bilder: ISO 1.000 – 100 mm – ƒ/5,6 – 1/4.000 s).

Um den gesamten Vogelflug in einem Foto darzustellen, habe ich mir nach der Bearbeitung der Einzelbilder die sieben Aufnahmen mit schönsten Flügelpositionen herausgesucht und diese in Photoshop übereinander gelegt. Auf Grundlage des ersten Fotos mit dem noch sitzenden Vogel habe ich dann in allen weiteren Bildern den Vogel vorsichtig freigestellt und in die Komposition eingefügt. Dabei habe ich bei den Vögeln weiter rechts die Positionen im Bild leicht angepasst, um Überlappungen zu reduzieren.

Das Ergebnis

Herausgekommen ist eine schöne Studie zum Vogelflug in einem Bild:

Ein Vogel im Flug
Start eines Hüttensängers: Zusammengesetzt aus sieben Einzelbildern, wobei die Positionen einiger Vögel leicht angepasst wurden, um Überlappungen zu reduzieren.

Darüber hinaus sind mir noch ein paar weitere Einzelaufnahmen geglückt, mit denen ich ebenfalls sehr happy bin:

Grauhäubchenmeise
Eine Grauhäubchenmeise hebt von der Futterstelle ab, während die zwei noch genüsslich Körner pickt (ISO 3.200 – 120 mm – ƒ/6,3 – 1/4.000 s).

 

Zwei Hausfinken
Zwei Hausfinken. Der obere macht dem unteren gleich den Sitzplatz streitig (ISO 1.000 – 100 mm – ƒ/5,6 – 1/4.000 s).

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