Sonnenuntergang in Zeitraffer
Sommerurlaub an der Ostsee – wenn es schon zu kalt zum Schwimmen ist, dann kann man wenigstens den weiten Himmel und die farbenfrohen Sonnenuntergänge genießen.
Bahnhof Bresewitz

Als die Planungen für den diesjährigen Urlaub begannen, war klar: es sollte wieder ans Meer gehen. Nachdem wir in den letzten Jahren auf Ameland an der Nordsee waren, sollte es dieses Mal wieder an die Ostsee gehen. Nach einigem Suchen stießen wir dabei auf ein echtes Kleinod: Den alten Bahnhof Bresewitz, in dem mehrere Ferienwohnungen untergebracht sind. Für mich als Eisenbahnfan war das Ambiente natürlich mehr als verlockend, aber auch die Damen des Hauses waren von dem außerorts gelegenen Idyll mehr als angetan.
Der Bahnhof selbst hat eine recht interessante Geschichte. Er liegt an der 1910 eröffneten Darßbahn, die in Velgast von der Hauptstrecke Rostock-Stralsund abzweigt und über Barth und Bresewitz bis auf den Darß zu den Kurorten Zingst und Prerow führte. Während die Strecke bis Velgast-Barth bis heute im Personenverkehr genutzt wird, musste der Abschnitt Barth-Prerow in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg als Reparationsleistung abgebaut werden. Die Drehbrücke der Eisenbahn über den Meiningenstrom wurde zu einer Straßenbrücke umfunktioniert.
1967 bauten Pioniere der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR den Abschnitt von Barth bis kurz hinter Bresewitz für Militärtransporte wieder auf, wo die Gleise nun kurz vor der Brücke an einer Kopframpe enden. Seit der Wende und der damit verbundenen Auflösung der NVA wird dieser Teil der Strecke nicht mehr genutzt. 1996 und 1997 wurden als letzte Fahrt einige alte Packwagen an den Bahnhof Bresewitz überführt, die dort als Unterstand für Fahrräder, als Räume für Kunstausstellungen und einer sogar als eigene kleine Unterkunft dienen.
Komplettiert wird das Ensemble durch das alte Ausfahrsignal E in Richtung Zingst, das es irgendwie geschafft hat, den Abbau nach dem Krieg und die NVA-Zeit zu überstehen. Das Formsignal mit seinen zwei gekoppelten Flügen, die entweder Hp 0 (Halt; der obere Flügel waagrecht, der untere senkrecht) oder Hp 2 (Langsamfahrt; beide Flügel zeigen nach schräg rechts oben) anzeigen können, ruft nun seit rund 80 Jahren zur Entschleunigung auf. Die Blenden mit den Farbscheiben für die Nachtsignale (ein rotes bzw. ein grünes und darunter ein gelbes Licht) wurden am Ende des letzten Dienstes nach unten gekurbelt um die Gasflaschen für die Lampen zu entnehmen und stehen seither auf Halbmast. Einzig von der roten Farbscheibe ist noch ein Stück vorhanden.
Wenn der Streckenabschnitt von Barth zunächst bis Bresewitz und – nach Neubau der Eisenbahnbrücke – bis Prerow ab 2027 reaktiviert wird, wird sich auch in Bresewitz einiges ändern. Ob die alten Wagen stehen bleiben können ist unklar, aber das alte Formsignal wird dann sicher verschwinden müssen oder zumindest als ungültig gekennzeichnet werden.
Sonnenuntergang in Zeitraffer

Wir hatten uns für acht Tage in der Wohnung “West” eingebucht, die in den Räumen der ehemaligen Gepäckabfertigung liegt. Tatsächlich war es in der Zeit, als wir dort waren, um einiges kühler und vor allem deutlich windiger als erwartet, so dass wir am Ende nur einen echten Strandtag mit Schwimmen in der Ostsee einlegen konnten. Dabei war das Wetter an sich durchaus schön, es war überwiegend sonnig mit vielen Schäfchenwolken. Vom Himmel sieht man dort eine Menge – die flache Landschaft bietet einen ewig weiten Horizont, und der Bahnhof zudem den perfekten Blick nach Westen. Schon der erste Abend überzeugte mit einem farbenfrohen Sonnenuntergang.
Und somit hatte ich dann auch dann direkt mein “Nebenprojekt” für den Urlaub gefunden: die mitgenommene Kameraausrüstung einsetzen, um den einen oder anderen Sonnenuntergang als Zeitraffer einzufangen. Dass unser Aufenthalt dann auch noch mit dem Vollmond zusammenfiel, versprach einige tolle Lichtstimmungen. Für dieses Vorhaben ist die Lage des Bahnhofs ein echter Vorteil: Da hier wirklich nur die wenigen Gäste der anderen Ferienwohnungen vorbei kommen, ist es kein Problem, das Stativ mit der Kamera den ganzen Abend auf der Wiese neben der Zufahrt stehen zu lassen.
Für die Aufnahmen konnte ich auf die Erfahrungen vergangener Sonnenuntergänge zurückgreifen was den Aufbau und die Einstellungen der Kamera angeht. Das stabile Stativ habe ich zusätzlich mit einer Tasche mit ein paar Flaschen Wasser darin beschwert, dennoch war es zumindest am ersten Abend derart windig, dass am Ende einige Wackler im Bild zu sehen sind. An insgesamt vier Abenden hatte ich meine Kamera mit wechselnden Perspektiven aufgebaut; an zwei Abenden nutzte ich zusätzlich einen motorisierten Stativkopf, der die Kamera während der Aufnahme langsam schwenkt um zusätzlich etwas Bewegung ins Motiv zu bekommen.
Ich startete die Aufnahmen jeweils zwischen halb acht und acht Uhr abends für drei bis vier Stunden. Die Kamera war dabei eingestellt auf ein Bild alle 15 Sekunden, so dass aus knapp vier Stunden am Ende rund 35 Sekunden werden (bei 25 Bildern pro Sekunde). Akku und Speicherkarte waren dafür mehr als ausreichend; der limitierende Faktor war hier in erster Linie, dass ich irgendwann ins Bett musste.
Schon die Betrachtung der einzelnen Bilder nach dem ersten Abend war dabei mehr als vielversprechend – vom helllichten Tag über die im Abendrot leuchtenden Wolken bis hin zu einem absolut traumhaften Monduntergang, der hell genug war um sein eigenes Abendrot zu erzeugen, war alles dabei.

An den darauffolgenden Tagen hatte ich mit den üblichen Unwägbarkeiten des Wetters zu kämpfen: mal waren es zu wenig Wolken, mal zu viele. Und mal war der Wind dermaßen kräftig, dass eine Zeitraffer-Aufnahme schlicht ausgeschlossen war. Doch am letzten Abend gab die Natur mit einem überwältigenden Vollmond-Aufgang nochmal alles.
Die Ergebnisse
Mich faszinieren an so einem Tag-Nacht-Übergang immer wieder die vielen verschiedenen Lichtstimmungen. Dazu kommt noch die Bewegung der Wolken, die so mit dem bloßen Auge oft nur schwer zu sehen ist, aber in der Zeitraffer natürlich deutlich sichtbar wird. Doch bevor ich noch länger rede, hier erstmal das Gesamtergebnisse – alle vier aufgenommenen Sonnenuntergang-Zeitraffern in einem Video:
Außer dem fertigen Video gibt es natürlich auch noch eine entsprechende Ausbeute an Einzelfotos. Drei davon möchte ich hier noch mit Euch teilen.
Das erste Bild zeigt die gesamte vierte Sequenz aus dem Video oben – den Sonnenuntergang vom letzten Abend – einem Bild. Am linkend Rand scheint noch die Sonne, während rechts schon die Sterne leuchten:

Man kann in dem Video nur zum Teil erahnen, wie hell der Vollmond war, in dessen Licht die Landschaft und das Signal zum Schluss aufleuchten. Daher hier nochmal ein Foto vom selben Abend, direkt nach dem Ende der Zeitraffer-Aufnahme, mit Blick zum Bahnhof:

Und zum Abschluss nochmal ein Bild vom Monduntergang aus der ersten Zeitraffer – dieses Bild wird es mit Sicherheit in den 2027er Kalender schaffen:



