Partielle Sonnenfinsternis
Die partielle Sonnenfinsternis am 12. August 2026 bot bei perfektem Wetter die Gelegenheit für ein paar ganz besondere Fotos mit überraschenden Details zum Finale.
Planung und Vorbereitung

Astronomische Ereignisse wie eine Sonnenfinsternis lassen sich inzwischen viele Jahre im Voraus auf die Minute genau berechnen, so dass man sich schon lange im Vorfeld entsprechend darauf einrichten und vorbereiten kann. Die große Unbekannte dabei ist jedoch wie immer das Wetter. Ich kann mich noch gut an einige Freunde erinnern, die sich 1999 auf die totale Finsternis in Süddeutschland gefreut hatten – und dann am Ende nur zuschauen konnten, wie die Wolken dunkler wurden. Dieses Mal war jedoch schon Tage vorher absehbar, dass das Wetter perfekt sein würde. Der ungewöhnlich trockene Sommer zeigte sich von seiner besten Seite.
Was jetzt vor allem noch fehlte, war ein passender Aussichtspunkt. Da das Maximum der Finsternis mit ca. 90% Überdeckung der Sonne durch den Mond rund eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang, und somit relativ tief über dem Horizont, erreicht wurde, brauchte es einen Ort mit möglichst freiem Blick nach Westen. Zum Glück bietet die Bergstraße ideale Voraussetzungen dafür.
Oberhalb von Heppenheim gibt es einen Weinwanderweg, der einem immer wieder fantastische Ausblicke über die Rheinebene bietet. Bei klarem Wetter kann man bis weit in den Pfälzerwald und Hunsrück schauen. Am Vortag der Sonnenfinsternis habe ich dann von Unter-Hambach aus die Wege durch Weinberge erkundet und mir schonmal den genauen Standort für den nächsten Tag ausgesucht.
Somit blieb als letzter Punkt nur noch die Ausrüstung. Es war klar, dass ich beide Kameras mitnehme. Die R6 mit dem Standard-Zoom, für Gesamtfotos der Szenerie, und die R7 mit dem 100-400 mm Teleobjektiv für Detailaufnahmen der Sonne. Und dazu natürlich alle ND-Filtern, die ich in der Schublade hatte, sowie ein Stativ und was zu trinken.
Die Sonnenfinsternis auf einen Blick…
Ich war rund eine halbe Stunde bevor es losging vor Ort und baute meine Ausrüstung auf. Die R6 mit dem Standard-Zoom und zwei kombinierten ND-Filtern war auf dem Stativ montiert und wurde mit den internen Timer so eingestellt, dass sie jede Minute ein Foto aufnimmt. Die Kamera war eingestellt auf Blende 8, ISO 100 und 1/20 Sekunde Belichtungszeit, was durch die ND-Filter trotz Blick zur Sonne zu einer (absichtlich) deutlich unterbelichteten Aufnahme führte – außer der Sonne war das Bild nahezu komplett schwarz. Aber es ging ja schließlich genau darum, am Ende den Umriss der Sonne genau erkennen zu können.
Ziel war es, aus den Einzelaufnahmen eine Collage zu erstellen, die alle Phasen der Finsternis auf einen Blick zeigte. Dazu hatte ich auch mehrere Bilder aufgenommen, die hell genug belichtet waren, dass man die Landschaft gut erkennen konnte ohne dass die Sonne alles überstrahlte. Für die Collage musste die helle Sonne jedoch raus aus dem Bild – und das war gar nicht so einfach.
Die meisten Bildbearbeitungsprogramme arbeiten heutzutage mit KI. Und egal, wie ich in den Himmelsbereich in der Mitte auch ausgeschnitten habe – jedes KI-Tool hat die zuvor entfernte Sonne wieder eingefügt. Also musste ich auf klassische Photoshop-Mittel mit Kopierstempel und Pinseln zurückgreifen. Das sieht man, da der Himmel stellenweise fleckig ist. Aber jeder Versuch, das mit “moderneren” Methoden auszugleichen führte direkt wieder dazu, dass eine Sonne neu eingefügt wurde, selbst wenn im Prompt explizit “ohne Sonne” stand. Aber so ist das Ergebnis wenigstens “KI-frei”.

Nachdem das Basis-Bild fertig bearbeitet war, war der verbleibende und vergleichsweise einfache Schritt, die dunklen Einzelfotos mit der Sonne alle darüber zulegen und mit dem Ebenen-Modus “aufhellen” zu verbinden. Am Ende habe ich jedes vierte Bild behalten, sodass 22 Sonnenscheiben die rund eineinhalb Stunden vom Beginn des Ereignisses bis zum Sonnenuntergang darstellen. Das Ergebnis ist kein “natürliches” Bild, da die Helligkeitsverhältnisse nicht stimmen – aber darum ging es hier auch nicht, sondern um eine Veranschaulichung des Verlaufs.
…und im Detail
Als zweite Kamera hatte ich die R7 mit dem RF 100-400 mm Teleobjektiv dabei, um Detailaufnahmen der Sonne einzufangen. Hier hatte ich einen 8x, einen 64x und einen 1.000x ND-Filter zu einem 512.000x kombiniert, womit ich gut im empfohlenen Bereich der Verdunklung zwischen 100.000 und einer Million lag, um Schäden an der Kamera zu vermeiden. Trotzdem lag anfangs bei Blende 11 und ISO 100 die Belichtungszeit bei lediglich 1/80 Sekunde, sodass ich gut aus der Hand fotografieren konnte. Auch die Verwendung des Autofokus war hier kein Problem.
Auf den ersten Probe-Fotos konnte ich bereits einzelne Sonnenflecken erkennen, was mich sehr ermutigt hat. Umso größer war die Freude, als dann dann das erste Stückchen Mond ins Bild rückte! Von da an machte ich alle paar Minuten weitere Bilder. Mit fortschreitender Verdunklung musste ich dann auch die ND-Filter reduzieren, damit die Belichtungszeiten in handhabbarem Rahmen blieben.
Es war schon eine sehr seltsame Lichtstimmung, als dann gegen 20:15 das Maximum der Verdunklung mit rund 90% Überdeckung erreicht wurde. Ein seltsames Zwielicht, ganz anders als jeder Sonnenuntergang. Genauso erstaunlich war es dann auch, dass es zum Sonnenuntergang hier wieder heller wurde, was dann auch direkt in die goldene Stunde überging bevor die Sonne dann, noch immer zu Teil verdunkelt, hinter dem Horizont verschwand.
Das Ergebnis der zweiten Aufnahmeserie sind nun eine Reihe von Momentaufnahmen der Sonnenfinsternis zu verschiedenen Zeitpunkten:

In Photoshop habe ich diese dann zu einer Animation zusammengesetzt:

Kalenderfotos
Wie schon erwähnt, ging die Sonne unter, während sie noch teilweise vom Mond verdeckt war. Das führte zu ein paar ganz besonderen Sonnenuntergangsfotos. Die Windräder in der Rheinebene und im vorderen Hunsrück bereichern den Vordergrund mit unerwarteten Details.




